Der 09. April 2003 geht als ein
historischer Tag in die Geschichte des Iraks ein, denn dieser Tag markiert den
Niedergang eines der brutalsten und menschenverachtendsten Regime der Welt. Es
war ein Freudentag für alle Völker Iraks. Man hat überall im Lande dieses
Ereignis gefeiert, nachdem man gemerkt hatte, dass die Erschießungskommandos
und andere Terror-Einheiten des Saddam-Regimes verschwunden sind. Es war sehr
erfreulich zu sehen, dass diese Schergen Saddams - die sich sehr mächtig gegen die
wehrlose Bevölkerung vorkamen, Angst und Schrecken verbreiteten und kritischen
Menschen Ohren und Zunge abschnitten - vor den Augen der Welt ihre Hosen wegwarfen
und so wegliefen, als die US-Panzer sich näherten. Insbesondere das kurdische
Volk feierte auch ausgiebig diesen Tag, weil es den Völkermörder überlebt hat
und auch fast alle arabisierten Ortschaften befreit wurden. Man hofft auf eine
bessere Zukunft und ein friedliches Zusammenleben der irakischen Völker.
Die Ära des Baàth-Regimes
im Irak seit dem Putsch der Baàth-Partei am 17.07.1968
war eine Zeit der Kriege und Menschenverachtung, im Einzelnen:
ein 35 Jahre währender Krieg bis
hin zum Völkermord gegen das kurdische Volk. Dieser Krieg kostete es über eine
Million Opfer (vgl. Human Rights Watch)
und war von folgenden Verbrechen des Terror-Regimes geprägt:
v
Beraubung jeglicher Freiheit;
Gefängnis, Folter und Mord
v
Ethnische Säuberung: Vertreibung
der Kurden aus Kirkuk, Mosul,
Khanaqin, Schangar und aus
anderen Ortschaften; Beschlagnahme des Hab und Gutes der dortigen Kurden sowie
Ansiedlung arabischer Bevölkerung an ihrer Stelle
v
Zerstörung und Entvölkerung fast
aller kurdischen Dörfer und Kleinstädte
v
Völkermord durch Einsatz der
C-Waffen
ein 35 Jahre währender Krieg gegen
das gesamte irakische Volk, der ebenso von der Beraubung jeglicher Freiheiten,
Gefängnis, Folter, Mord und Flucht von schätzungsweise 5 Millionen Menschen aus dem Irak geprägt
war
der Krieg gegen den Iran von 1980
bis 1988, dem ebenfalls über eine Million Menschen zum Opfer fielen
die Besatzung Kuwaits und der
anschließende Golfkrieg 1990-1991
die Selbstbereicherung des
Saddam-Klans und seiner Anhänger durch die Beraubung des Staates und des Volkes
(Das Regime war eine Mafia-Herrschaft.)
Die USA, Großbritannien und die anderen Alliierten haben das Verbrecherregime Saddams symbolisch und faktisch am 9. April 2003 vom Sockel der Macht gestoßen und den Irak von einer barbarischen Tyrannei befreit. Natürlich wird diese Befreiung im ganzen Land begrüßt und gefeiert. Aber es ist nach dem Einmarsch der Alliierten in den Städten Bagdad, Basra und anderen auch zu Plünderungen bei den öffentlichen Einrichtungen, Organisationen und bei einigen privaten Geschäften gekommen. Diese Ereignisse waren schockierend für alle Beobachter. Allerdings sind sie sind nichts Neues, sondern die Fortsetzung der Tradition des Baath-Regimes. Es war seit seines Bestehens Vorbild für Raub und Plünderung. Das Regime tötete jegliches Rechtsbewusstsein bei seinen Anhängern und in der Öffentlichkeit. Diebstahl und Raub waren seine Lieblingsmethode zur Selbstbereicherung und Erniedrigung der Gegner und somit Staatspolitik. Sogar mit dem Koran wurden Plünderungen 1988 bei den so genannten Anfal-Angriffen (Sure aus dem Koran, bedeutet „Freie Beute“) begründet. Im Folgenden werden einige Beispiele für Plünderungen aufgezählt, die abseits der Kameras der internationalen Medien auf Befehl des Baáth-Regimes geschahen:
Die jetzigen Plünderer trugen oft Waffen. Das bedeutet, dass sie zuvor Mitglied der Baàth-Miliz oder anderer bewaffneter Verbände des Regimes waren, denn in den vom Regime kontrollierten Gebieten durfte niemand außer den Mitgliedern der Baàth-Partei eine Waffe tragen und unerlaubter Waffenbesitz wurde mit dem Tode bestraft. Diese Verbände waren und sind geübt in Raub und Plünderung und versuchen jetzt außerdem, Unruhe zu stiften. Dies bestätigt auch ein Bericht der RTL-Korrespondentin Antonia Rados in Bagdad. Sie sagte am 11.04.03 im Nachtjournal: „Wir hatten den Eindruck, dass ein Teil dieser Plünderungen von dem ehemaligen Spitzelsystem des irakischen Diktators, von Geheimdiensten und allen möglichen Schlägertypen, die der Diktator immer wieder eingesetzt hat, organisiert werden.“ Dabei fügte sie als Beleg das Beispiel einer Plünderung des Krankenhauses Al Kindi an und sprach von Provokateuren. Natürlich begleichen andere Leute alte Rechnungen mit dem Regime und versuchen, sich an den Institutionen und Symbolen des zusammengebrochenen Regimes zu rächen. Wir halten diese momentane Anarchie für eine temporäre Erscheinung und hoffen auf eine baldige Konstituierung eines demokratischen Rechtsstaates. Jedoch werden die Schergen des verschwundenen Terror-Regimes in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten wenn nicht Jahren noch weiterhin immer wieder versuchen, durch Überfälle, Raub und Mord die Lage zu destabilisieren.
Manche reden vom Bruch des Völkerrechts durch die Alliierten und verweisen darauf, dass man noch keine Massenvernichtungsmittel gefunden habe. Man demonstrierte gegen den Irak-Krieg und war besorgt über die Opfer dieses Krieges. Wir waren und sind auch sehr betroffen von den Folgen dieses und all der anderen Kriege, sei es der gegen das kurdische und irakische Volk, seien es die gegen die Nachbarstaaten oder der aktuelle Krieg, den das faschistische Regime Saddams geführt und zu verantworten hat. Denn an der ersten Stelle sind es die Völker Iraks, die die Zeche dieser Kriege bezahlten und bezahlen. Abgesehen davon, welche Massenvernichtungsmittel gefunden werden oder nicht, ist das Baàth-Regime selbst eine schreckliche Massenvernichtungswaffe gegen das irakische Volk gewesen. Deshalb ist die Freude über dessen Beseitigung sehr groß und die Hoffnung, dass das Leben im Irak nun besser wird, auch. Schließlich hatte es nicht die geringste Aussicht gegeben, sich eigenständig von dem Verbrechersystem zu entledigen; angesichts der Übermacht des Baáth-Systems mit seinen unzähligen Sicherheitsorganen war das irakische Volk nicht dazu in der Lage.
Wenn man wirklich um das irakische Volk besorgt war und nicht am
Erhalt des Terror-Regimes Saddams, ist jetzt die Zeit, dem irakischen Volk
unter die Arme zu greifen, ihm dabei zu helfen, eine demokratische,
pluralistische und föderale Regierung zu bilden sowie die traumatischen Folgen
der 35jährigen Baàth-Herrschaft zu beseitigen und eine freie, zivile und
demokratische Gesellschaft aufzubauen.
Abdullah Ali
11.04.2003